ATARI-Werbeprospekte / Pressespiegel vol. 22

Als Freund des gedruckten Wortes und Anhänger klassischer Videospiele-Gazetten, freue ich mich, euch an dieser Stelle regelmäßig Einblicke in Presseerzeugnisse vergangener Tage bieten zu können. Zeitschriften und Bücher zum Thema Videospiele sollen hier im Pressespiegel beleuchtet werden.

Pressespiegel Banner

Als Pionier im hart umkämpften Videospielbusiness hat das Urgestein ATARI vielfältige Wege der Kundengewinnung beschritten. Neben zahllosen, teils echt anstrengenden TV-Spots hat der Konzern die minderjährigen Investoren auch mit Printwerbung in Form von Anzeigen in verschiedenen Kampagnen penetriert und ihnen abwechslungsreiche, bunte Broschüren an die Hand gegegeben. All die Werbemittel sind nicht nur effiziente Methoden zur gewinnmaximierenden Gehirnwäsche gewesen, sondern vor allem aus heutiger Sicht auch tolle Zeugnisse Ihrer Zeit.

Im Folgenden Video und Artikel unternehmen wir eine Reise zurück in eben jene Zeit, in der Videospiele grob aufgelöst, die Konsolen holvertäfelt und die schreiend bunte Werbewelt noch in Ordnung waren!


Mit den Worten MORE GAMES. MORE FUN. MORE ENTERTAINMENT. leitet ATARI seinen allenfalls Din A5-kleinen Katalog aus dem Jahr 1981 ein. Auf 24 Seiten kredenzt das bunte Blatt 45 Spiele mit Screenshot und Coverartwork. Aufgeteilt ist das englischsprachige Druckerzeigniss in acht Kategorien wie zum Beispiel Weltraum, Sport oder Lernspiele – so weiß der vergnügungssüchtige Leser direkt, welchen Abschnitt er meiden sollte, wenn er langweile Bildungssoftware umgehen möchte und Eltern, wo sie direkt hinspringen müssen, wenn sie ihre Kinder quälen wollen. Eingeleitet werden die Kapitel effektvoll mit seitenfüllenden Coverartworks, die gerade bei Atari-Spielen ja gerne mehr vorgekaukelt haben, als die Spiele halten konnten. Tatsächlich praktisch wird die Broschüre noch einmal auf der letzten Innenseite, hier werden alle Spiele zusammen mit den unterstützten Eingabegeräten Joystick, Keypad und Paddlecontroller aufgelistet. Besitzer eines Keypads werden hier auch feststellen, dass sie laut Prospekt dazu verdammt sind, ausschließlich Lernspiele zu zocken und wohl ewig im Abseits des Schulhofes ohne Freunde verweilen zu müssen.

Den selben Seitenumfang bietet auch der ebenfalls 1981 erschienene ATARI-Katalog mit leicht infantil, aber doch hübsch gestaltetem Cover. In diesem bunten Machwerk finden sich 43 Titel in arg beliebiger Reihenfolge ohne erkennbares System. Die Gestaltung ist ebenfalls wesentlich freier und so werden alle Spiele mit individuellen Illustrationen im Stile des Broschürentitels präsentiert. Der naiv wirkende Zeichenstil mag nicht jedem gefallen, ich persönlich finde diese Aufbereitung aber wirklich charmant und der Katalog bekommt eine eigenständige Note. Selbst die etwas langweiligeren Titel bekommen Dank der Zeichnungen eine neue Dynamik und auf angenehme Weise erinnert mich der Stil stark an manche Beiträge im MAD-Magazin zu der Zeit. Auch hier nimmt der Katalog zum Ende hin noch einmal inhaltlich Fahrt auf und bewirbt zunächst den sicherlich famosen Atari-Club und ein paar unfassbar nutzlose, aber stylische Cartridgehalter. Die letzte Doppelseite listet dann auch noch einmal die Spiele des Katalogs auf und welche Controller von diesen unterstüzt werden.

Atari Broschüren

Nicht nur ATARI selber hat das VCS 2600 mit Software versorgt, auch Fremdhersteller haben sich um die dominante Konsole der frühen Achtziger gekümmert. Die beiden qualitativ konsequentesten Publisher dürften hierbei Imagic und Activision gewesen sein und auch diese beiden Unternehmen haben natürlich mit Prospekten versucht, ein Stück vom lukrativen Taschengeldkuchen abzubekommen.

Der Tele-Spiel Katalog der Ex-Atarianer von Activision aus dem Jahr 1982 präsentiert im kompakten Hosentaschenformat in Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch die größten Hits des Verlages. Die Aufmachung der Informationsbroschüre ist am ehesten als schlicht, vielleicht schon fast als langweilig zu bezeichnen, jedes Spiel wird hier mit Cover, Screenshot und kurzem Text vorgestellt. Sehr schön ist hier jedoch die Erwähnung der Programmierer der Softwareperlen – eine Wertschätzung, die in dieser Form leider keine Schule gemacht hat. Abgerundet wird die 20 seitige Reklame mit einer Präsentation der fantastischen Aufnäher, mit denen Activision eifrige Highscoreknacker belohnt hat. Die schnieken Fetzen haben in den Achtzigern sicher einen tollen Hingucker auf den Jeansjacken pickliger Nerds abgegeben und gefallen mir auch heute noch ausgenommen gut.

Atari Broschüren

Der Universalprospekt von Imagic aus dem Jahr 1982 präsentiert sich nur wenig aufregender und deckt nicht nur Spiele für das VCS 2600 ab, sondern auch für Intellivision und ATARI Heimcomputer. Auch hier erfolgt die schmucklose Präsentation mit Screenshot, Cover und englischsprachigem Text zu den silber vepackten Gassenhauern des Publishers. Echte Hits wie Demon Attack oder Cosmic Ark erfahren so leider nur wenig Würdigung, aber als kleines Nachschlagewerk ist auch diese Broschüre durchaus zu gebrauchen. Zwei Highlights verstecken sich ganz am Schluss des Printproduktes, hier wird das großartig holzige Video Storage Center für das ATARI und sein Zubehör beworben und der Imagic Numb Thumb Club wird vorgestellt. Mitglieder dieses exklusiven Clubs haben für 2 schmale Dollar im Jahr eine Mitgliedskarte, ein Poster ihrer Wahl und ein Abonnement für noch mehr penetrante Werbung bekommen – attraktive Vorzüge, mit denen auch der Club Nintendo später die Leute an sich binden konnte.

Fazit:
Egal welcher Prospekt mir aus dieser holzvertäfelten Dekade in die Finger kommt, ich tauche immer wieder gerne ab in die bunte, verheißungsvolle Werbewelt und erquicke mich oft mehr an den bunten Bildern und Texten, als an den zum Teil arg schlecht gealterten Spielen selber. Werbung ist und bleibt doch einfach die schönste Art des Selbstbetrugs.