Selbstgespräche eines Spielejunkies vol.51: Italia 90

Im Selbstgespräch gebe ich meinen Kommentar zu mehr oder weniger Videospiel relevanten Themen ab und lasse mich gerne auch mal zur Meinungsmache hinreißen. Über eure Meinung zu den Themen freue ich mich natürlich auch!

Wer meine Spiel- und Sammelgewohnheiten kennt, weiß dass ich nur wenig Interesse an Sportspielen jeglicher Art habe. Es muss eine medizinisch nicht nachweisbare Allergie gegen Fifa, Tiger Woods oder die WWE sein, die mich davon abhält, mir wertvollen Stauraum mit diesen unattraktiven Titeln vollzustopfen, obwohl ich sonst eher wenig wählerisch beim Sammeln bin.

Ein paar Systeme wie Saturn, Game Gear und Master System werden bei mir jedoch auch mit diesen aus meiner Sicht thematisch vollkommen uninteressanten Titeln versorgt, ein echtes Fullset liegt allerdings noch in weiter Ferne. Vor allem bei den beiden Achtbittern von SEGA freue ich mich doch hin und wieder über sportliche Kuriositäten und stelle mir diese dann überraschend gerne ins Regal – gespielt werden Sie trotzdem nicht.

Eine Edition eines echten Low Budget-Titels die mir so nicht bekannt gewesen ist, musste erst kürzlich ins Master System-Archiv wandern. Passend zur Fußball Weltmeisterschaft 1990 veröffentlichte SEGA in Italien ein Konsolenbundle zusammen mit dem Spiel World Soccer. Großartiger Weise entpuppte sich das langweile Coverartwork hier als Glücksgriff, denn so bot sich die gute Gelegenheit, einen wenig ansprechenden Aufkleber mit italienischem Text auf die Box zu patschen. Da ich diesen Aufkleber noch nie gesehen habe musste der Titel natürlich erneut in die Sammlung, sonderlich oft werde ich in Deutschland wohl nicht mehr über das Bundle-Spiel stolpern.

Nebenbei verbinde ich mit Italia 90 auch die Erinnerung an eine nette Pizzabude in der Nähe unserer damaligen Gartenkolonie in Berlin und das wirklich furchtbar designte Maskottchen zur Weltmeisterschaft 1990. Emotionen sind doch beim Sammeln oftmals stärker als die Vernunft…

World Soccer Master System

Selbstgespräche eines Spielejunkies vol.50: Bit-90

Im Selbstgespräch gebe ich meinen Kommentar zu mehr oder weniger Videospiel relevanten Themen ab und lasse mich gerne auch mal zur Meinungsmache hinreißen. Über eure Meinung zu den Themen freue ich mich natürlich auch!

Heimcomputer sind bis auf wenige Ausnahmen eigentlich nicht mein Sammelgebiet und erst recht nicht mein Spielplatz. Ab und an hole ich mir aus verschieden Gründen aber dennoch einen alten Rechenknecht nach Hause – Nostalgie, Design, Spielebibliotheken oder besondere Merkmale verleiten mich gelegentlich zum Kauf eines solchen neuzeitlichen Abakus.

Vor ein paar Tagen durfte ein kleiner Exot Einzug in mein Archiv halten, der mit einem besonderen Merkmal bei mir punkten konnte. Der Bit-90 der Firma Bit Corporation aus Taiwan ist mit seiner Gummitastatur, der geringen Verbreitung in Deutschland und seinem 18kb kleinen Speicher zwar sicher keine bekannte Größe, aber für mich durchaus interessant. Das Gerät mit Z80A-Prozessor bietet die Möglichkeit Colecovision-Spiele zu verarbeiten und da mir die Konsole bislang fehlt, ich aber seit fast zwanzig Jahren einen Stapel Spiele für die Hardware besitze, durfte der Bit-90 bei mir Unterschlupf finden.

Der Bit-90 erschien 1984 und wurde in verschiedenen Gehäusevarianten veröffentlicht, die mir vorliegende Version in Alu-Look gefällt mir persönlich sehr gut. Die Tastatur mit dunkelgrünen Gummitasten ist überraschend stabil und bietet angenehme Druckpunkte. Insgesamt ist die Verarbeitung des Rechners bis auf einen sehr sensiblen Power-Schalter relativ solide. Serienmäßig bietet das Gerät einen Modulslot für Colecovision-Spiele und kann per Adapter auch Atari VCS 2600-Module verarbeiten. Im Lieferumfang enthalten ist ein Netzteil, ein deutschsprachiges Handbuch, ein Antennenkabel, sowie ein Videokabel mit integriertem Anschluss für eine seperat erhältliche Datasette. Plug and Play wurde hier also bereits 1984 praktiziert, die Taiwaner haben damit also schon früh in den Achtzigern echten Kundenservice praktiziert.

Da für mich die Eigenschaften als Computer eher zweitrangig sind, habe ich mich in erster Linie dem Modulslot für Coleco-Spiele gewidmet. Der Slot ist stabil verarbeitet und schluckt die Module ohne viel Widerstand. Ein gutes Dutzend Spiele habe ich am Gerät getestet und alle Cartridges wurden zunächst erkannt und bis zum ersten Menü geladen. Leider jedoch scheint das Gerät arge Kompatiblitätsprobleme zu haben, wenn es darum geht die Spiele korrekt zu starten. Bis auf Donkey Kong und Donkey Kong Junior ist kein einziges Spiel vollständig korrekt geladen worden. Antarctic Adventure lässt nach dem Titelscreen die Farben vermissen, Cabbage Patch Kids kommt über den Titel nicht hinaus und Omega Race krankt daran, dass die Hardware offenbar keinen zweiten Actionbutton des Original Controllers unterstützt. Das von mir benutzte Mega Drive-Pad wurde über den 9-poligen Stecker zwar erkannt, allerdings kann nur einer der Button aktiviert werden. Bei Donkey Kong ist dies kein Problem, bei anderen Spielen jedoch bereitet dies große Schwierigkeiten. Da aber kaum Spiele vom Gerät korrekt ausgelesen werden – ca. 70% meiner Module kommen über den ersten Screen garnicht hinaus – ist dieser beklagenswerte Umstand eigentlich auch beinahe irrelevant.

Was bleibt ist ein kompakter Heimcomputer, der bei mir mit dem einzig spannenden Feature leider nicht überzeugen kann weil es schlicht nicht gut funktioniert. Die Idee hinter dem Rechner ist durchaus lobenswert, ich werde mich jedoch wohl weiter nach einem ausgewachsenen Colecovision umschauen und in der Zwischenzeit immerhin einen tollen Konsolenport von Donkey Kong auf dem Bit-90 genießen.

Bit 90

Selbstgespräche eines Spielejunkies vol.49: Retro-Ausmisten

Im Selbstgespräch gebe ich meinen Kommentar zu mehr oder weniger Videospiel relevanten Themen ab und lasse mich gerne auch mal zur Meinungsmache hinreißen. Über eure Meinung zu den Themen freue ich mich natürlich auch!

Abgesehen von kleineren Pausen spiele ich nicht nur seit über 30 Jahren Videospiele, sondern sammel diese auch. Das Horten und Archivieren von Medien hat mich immer schon fasziniert und es tat mir stets in der Zockerseele weh, wenn ich als Kind ein Spiel abgeben musste, um mir ein neues leisten zu können.

Zwei Einschnitte im Ausdünnen meiner Sammlung sind mir dabei besonders in Erinnerung geblieben. Um mir zum Release den SEGA Saturn leisten zu können, habe ich mit einem Schlag meine umfangreichen Bibliotheken meiner Game Gear- und Mega Drive-Spiele inklusive Hardware abgeben müssen. Alle Spiele und Hardware-Teile sind natürlich top gepflegt und zu 90% in OVP gewesen, dennoch hat es nur zur Finanzierung der Hälfte der damals neuen Wunderkonsole gereicht. Ein herber Rückschlag für meine Sammelleidenschaft und nicht unedingt die beste Entscheidung in meiner Spieler-Karriere.

Ebenfalls als gravierend erwies sich ein Einbruch in meinen Keller, bei dem ein gutes Dutzend Konsolen und dazu passend zahllose Spiele entwendet wurden. Auch wenn ich zu der Zeit nicht aktiv gesammelt und deswegen die Geräte im Keller eingelagert hatte, schmerzt es mich bis heute, meine Sammlung auf so unwürdige Art und Weise verloren zu haben – vieles davon habe ich bis heute nicht mehr erwerben oder finden können.

Aktuell bin ich jedoch an einem Punkt im Sammeln angekommen, bei dem ich aus freien Stücken Teile meiner Kollektion abgebe. Es haben sich in den vergangenen Jahren des hortens einfach zu viele Spiele und Zubehörteile angesammelt, die mir persönlich nichts geben oder schlichtweg scheiße sind. Die Sammlung wurde zu groß und auch zu unspezifisch. Konsolen würde ich aktuell noch nicht abgeben wollen, aber beim N64 habe ich bereits einen Großteil meiner Spiele abgestoßen, da mir die Softwarebibliothek des Gerätes bis auf minimale Ausnahmen einfach zu keinem Zeitpunkt zugesagt hat. Aktuell müssen vor allem überflüssige Playstation1- und Playstation2-Spiele weichen. Hier haben sich einfach in fast 20 Jahren zu viele Spiele angesammelt, die ich kein einziges mal angespielt habe und die mich auch in der nächsten Dekade garantiert nicht reizen werden.

Es ist also Zeit, ein wenig Abschied zu nehmen, aber wo etwas verschwindet, entsteht auch Raum für Neues…

Spielestapel

Selbstgespräche eines Spielejunkies vol.48: Gamescom nein danke

Im Selbstgespräch gebe ich meinen Kommentar zu mehr oder weniger Videospiel relevanten Themen ab und lasse mich gerne auch mal zur Meinungsmache hinreißen. Über eure Meinung zu den Themen freue ich mich natürlich auch!

Bereits seit 2009 findet die Gamescom, die weltweit flächenmäßig größte Messe für Unterhaltungsmedien, in Köln statt. Jahr für Jahr pilgern die Massen in die Rheinmetropole mit dem obergärigen Bier (nein, die Rede ist nicht von Düsseldorf) um den neuesten Trends am Technologiemarkt hinterherzulaufen und für das kurze Anzocken eines Blockbusters von morgen (Call of Duty X, Fifa X, New Super Mario X) Schlange zu stehen.

Aber auch der seit Jahren offensichtlich sehr starke Retrobereich hat seine Fans und Anhänger, das rückwärtige Segment ist inzwischen fester Teil des Messetrubels geworden. Bekannte Gesichter aus der Nordrhein-Westfälischen und Gesamtdeutschen Retroszene stellen Konsolen, Spiele und Gadgets zur Verfügung und bieten den rückwärtsgewandten Spielern Unterhaltung aus der oft garnicht so staubigen Mottenkiste.

Sammler von Merchandise werden wohl schon seit einigen Jahren nicht mehr so richtig glücklich auf der Gamescom, die ihren Ursprung 2002 in Leipzig unter dem Namen Games Convention hatte. Dennoch scheint es noch genug Stuff zu geben, damit auch die Geier mit den übergroßen Papiertüten weiter ihre Runden ziehen können. Auch zahlreiche Cosplayer und deren Schenkel- und Bauchnabel-suchende Konterparts – die Hobbyfotografen – tummeln sich alljährlich gerne auf dem weitläufigen Messegelände.

So viele tolle Punkte sprechen also offensichtlich für einen Besuch der Gamescom, die am heutigen Dienstag ihre Pforte geöffnet hat und sich bis Samstag auf zahlreiche Gäste freut. Leider jedoch schrecken mich die obrigen Punkte und viele weitere Aspekte dieser Großveranstaltung komplett ab und werden mich wohl auch in Zukunft nicht zur Kölner Messe locken können. Als Steppke bin ich gerne auf die Berliner Funkausstellung gegangen und habe mich mit Merchandise eingedeckt. Schon damals habe ich jedoch nur wenig Freude an dem ganzen Drumherum gehabt. Auch im Jahr 2010, als es mich das das erste und bis jetzt einzige Mal auf die Gamescom trieb, war ich eher genervt und gelangweilt vom allgemeinen Zampano der Medienheinis und Werbetreibenden.

Großveranstaltungen als solche bereiten mir generell nur selten Freude und das endlose Schlangestehen, der laute Geräuschpegel und die ewig gleichen, aufgewärmten Spielkonzepte motivieren mich doch eher dazu, meine Freizeit zockend mit Freunden oder alleine zu Hause und nicht auf dem Messegelände zu verbringen. Auch der Retrobereich kann mich nicht locken, das wenigste ist wirklich überraschend und wenn ich wirklich mit wildfremden Menschen daddeln möchte, lase ich mich lieber auf private Zockpartys oder explizite Retroveranstaltungen als Besucher ein.

Ich kann hier natürlich nur von meinen Eindrücken aus der Ferne auf den aktuellen Status Quo der Messe schließen und ich wünsche allen Besuchern dennoch eine schöne Zeit, für mich jedoch wird die Gamescom auf ewig ein abschrenkendes Beispiel für konsumgesteuerte Massenabfertigung bleiben.

GAMESCOM Illustration

Selbstgespräche eines Spielejunkies vol.47: AVGN – The Movie

Im Selbstgespräch gebe ich meinen Kommentar zu mehr oder weniger Videospiel relevanten Themen ab und lasse mich gerne auch mal zur Meinungsmache hinreißen. Über eure Meinung zu den Themen freue ich mich natürlich auch!

Seit vielen Jahren erquicke ich mich an den Videos von James Rolfe, der vielen Retrospiel-interessierten wahrscheinlich eher als Angry Video Game Nerd bekannt sein dürfte.

James Rolfe stellt in seinen Youtube-Videos vor allem schlechte bis mittelprächtige Spiele und Hardware vor, primär müssen NES-Spiele ihren dicken Hals in die Schlinge legen. Das Konzept verfolgt er nun seit fast 150 Episoden und in den letzten Jahren überbrückte er die Wartezeiten zwischen den Folgen zunehmend mit Let´s Plays und Filmvorstellungen. Letztere nehmen bei ihm ebenfalls einen großen Platz ein, seine Liebe zum Medium Film spürt der Zuschauer in all seinen Clips. Inzwischen scheint er von seinem Youtube-Kanal leben zu können und es ist schön zu sehen, dass er als Urgestein der Videospiel-Youtuber ein Einkommen damit bestreiten kann, ohne sich an Medien-Konzerne binden zu müssen.

Im Juli 2014 veröffentlichte der Hobby-Regisseur dann auch seinen ersten Spielfilm und nutze seine Bekanntheit die er durch die AVGN-Reihe erlangt hatte. Das Ergebnis war Angry Video Game Nerd: The Movie, ein Trashfilm der seine Videoreihe in die übersteigerte Realität überträgt und sich inhaltlich häufig an den Youtube-Videos orientiert. Viele dürften den Film bereits gesehen haben, ich möchte hier aber dennoch nichts Inhaltliches spoilern. Ich selber habe den Film erst vor kurzem gesehen, da er inzwischen kostenlos bei Amazon Prime enthalten ist. Für den Preis kann man ja nicht viel falsch machen, dachte ich…

Meine Erwartungen waren von vornherein gering, dennoch musste ich den Film wegen mangelnder Spannung in drei Häppchen gucken. Das technische Niveau ist zwar deutlich über dem der Youtube-Videos, aber dennoch nicht wirklich erwähnenswert. Viele schlechte Effekte sind als Stilmittel durchaus zu erkennen und der Film bekommt dadurch einen guten Hobby-Charme. Während ich mit der Technik noch gut leben konnte, mochte mir das Skript weniger gefallen. Die Figuren bleiben platt, die Dramaturgie allenfalls bemüht dynamisch und die Dialoge selten überraschend.

Der Zuschauer bekommt einen Zweistünder, der vor allem selbstrefenziell sein möchte, dabei aber oft mit den ewig gleichen Ideen aufwartet wie die Videoreihe und damit nur selten überraschen kann. Es gibt durchaus einige gute Gags, diese retten den Film aber nicht über die 115 gebotenen Minuten. Per Crowdfunding bekam James Rolfe ein Budget von immerhin 325.000$ zusammen, womit sicher mehr möglich gewesen wäre.

Ich habe einen großen Respekt für sein Schaffen und seinen enormen Output, denke aber nicht, dass er sich mit seinem Filmdebut einen großen Gefallen getan hat. Für Außenstehende die mit dem Thema Retrogames und seiner Person nichts anfangen können, ist der Film mit Sicherheit eine echte Zumutung, ich persönlich würde mich trotz des guten thematischen Zugangs der IMDb-Wertung von 5.7/10 Punkten anschließen, auch wenn Hardcore-Fans das sicher anders sehen mögen.

…eventuell wäre eine Art Dokumentation im Stile der Michael Moore-Filme zum gleichen Thema ein besseres Format für Sie gewesen als ein Spielfilm, Mister Rolfe!?

AVGN DVD