Flipper- und Arcademuseum Seligenstadt – das Video

Nachdem ich vor ein paar Tagen bereits Fotos aus dem Flipper- und Arcademuseum Seligenstadt gepostet habe, gibt es nun noch einen Nachschlag in Form bewegter Bilder.

Arcade-Games als Umsetzungen für die heimischen Spielstationen zu genießen ist meist ein leicht getrübtes oder oft genug gar schreckliches Vergnügen. Zwar muss sich der geneigte Zocker nicht mit dem Nachwerfen von Münzen rumplagen, jedoch oft genug Abstriche bei Grafik, Sound oder Spielumfang hinnehmen. Der gemeinnützige Verein For Amusement Only im hessischen Seligenstadt macht hier mit seinem Flipper- und Arcademuseum möglich, was lange Jahre in Deutschland kaum zu erleben war. Daytona USA, Donkey Kong oder OutRun können hier in voller Spielhallenpracht genossen werden und laden zum ultimativen Arcadegaming in den vollgepackten Museumsräumen ein.

Der Verein wurde 2009 gegründet und hat seinen aktuellen Standort auf der Wilhelm-Leuschner-Straße in Seligenstadt seit 2013. Der Großteil der Automaten gehört den Mitgliedern des Vereins, das Museum dient als Treffpunkt, Präsentationsort der Geräte und als Anlaufstelle um die Automaten betriebsbereit zu erhalten. Auf rund 700 Quadratmetern und zwei Etagen stehen gut 150 klassische Videospielautomaten und rund 150 rollige Flipper zum ausgiebigen zocken bereit, wenn sie sich nicht gerade in Reparatur befinden. Das Erdgeschoss ist vornehmlich mit Spielautomaten bestückt, ergänzt werden diese durch eine Reihe Flipper und einen total versauten und bluttriefenden 18er-Bereich in dem sich vor allem Lightgun-Automaten wie Mad Dog McCree, Revolution X oder Terminator 2 Judgement Day finden, die eigentlich garnicht so schmuddelig und blutig sind.

Zahlreiche Klassiker der digitalen Spielkultur können in der Eingangsetage gezockt werden und vor allem OutRun, Q*BERT oder Pengo verpassen mir einen nostalgischen Schauer. Ebenfalls grandios sind der klassische DDR-Automat Poly Play und der Simpsons-Brawler für vier Spieler von Konami, den ich hier zum ersten mal anzocken konnte. Für viele das offensichtliche Highlight ist das Setup aus acht Daytona USA-Automaten von SEGA, das zum gleichzeitigen Rempeln und Gasgeben einlädt und den Besucher bereits beim Betreten der Arcadehalle in Empfang nimmt. Wenn nicht gerade ein paar Querschläger in den Gegenverkehr heizen kommt hier schnell echtes Multiplayerpartyfeeling auf – freundliche Beschimpfungen und singvogelgleiches Gröhlen inklusive.

For Amusement Only

Neben den zu erwartenden digitalen Spielautomaten der Achtziger finden sich auch einige Geräte mit einem etwas anderen Ansatz. Die mechanischen Automaten zeigen mit tollen Tricks, wie sich bis heute beliebte Spielkonzepte auch ohne CPU und künstliche Intelligenz realisieren lassen. Besonders Interessant ist hier aus meiner Sicht der Space Pilot Automat der euch im Kreis mit einem Weltraumgleiter im Weltraum herumfliegen und Stationen abklappern lässt. Das Spiel erfordert großes Geschick und hat mich selbst wiederholt an meinen räumlichen Wahrnehmungsfähigkeiten zweifeln lassen. Ebenfalls sehr unterhaltsam und fordernd sind die Multiplayerautomaten mit sportlichem Ansatz. Bei einer spannenden Runde im alternativen Tischfußball oder beim zahlengestützten Baskettball lässt es sich wunderbar duellieren. Wutausbrüche über das eigene Unvermögen und die Freude an den technischen Rafinessen der Geräte machen das Spielen hier zum herausragenden Vergnügen.

Das besser belüftete und weniger warme Untergeschoss ist voll und ganz dem rollenden Stahl gewidmet. In drei Gängen laden hier jeweils beiderseitig Flipper aller Generationen zum spielen ein. Der geneigte Fan ausufernder Punktejagden findet hier ein riesiges Revier mit wilden Klassikern des Flippersports und unbekanntere Seltenheiten aus vielen Dekaden des Kneipenspaßes. Ich selber habe als Kind sehr gerne geflippert, unregelmäßige Ausflüge zur örtlichen Bowlingbahn in Berlin Charlottenburg oder zum Flughafen Berlin-Tegel hatten entsprechend ausschließlich den Zweck zu flippern. Gut bin ich jedoch nie darin gewesen und habe auch im Flipper- und Arcademuseum immer wieder über schnellen Ballverlust geächzt. Wer hier jedoch dran bleibt kann sich auch gerne stundenlang an einem Gerät festbeißen und Highscores aufstellen. Von der Aufmachung her haben mir hier vor allem der Indiana Jones-Tisch, der Addams Family Klassiker und Judge Dredd gefallen. Ebenfalls im Untergeschoss findet sich ein Billardtisch, den ich persönlich zwar hier eher weniger erwartet hätte, der aber offenbar auch von den Besuchern genutzt wird.

For Amusement Only

Hungrige und durstige Besucher können sich in der Lobby mit Snacks und Kaltgetränken versorgen, hier stehen zudem weitere Zockmöglichkeiten zur Verfügung. Ebenfalls im Vorraum findet sich Platz für Sonderausstellungen, aktuell dreht sich dort alles um die Sternenkriege aus dem Lucas-Universum auf Heimcomputern und Konsolen. Eine sehr schöne Ergänzung zum sonstigen Arcade-Trubel und ein guter Rückzugspunkt, wenn die Automaten grad alle besetzt sind und die Luft in der Spielhalle zu retroaktiv duftet.

Aktuell hat der Verein knapp 145 Mitglieder die aus allen Teilen der Republik kommen. Die Vereinsmitgliedschaft ist in verschiedene Beitragsstufen gestaffelt und beginnt monatlich bei sechs Euro. Aktive Mitglieder kümmern sich um die Geräte, führen Reparaturen durch und betreuen Veranstaltungen, passive Mitglieder können den Verein finanziell unterstützen. Alle Infos zum Verein und den sexy Vorzügen einer Mitgliedschaft findet Ihr natürlich auf der offiziellen Webseite.

For Amusement Only

Meine persönlichen Highlights im Museum sind definitiv der Out Run-Automat, der mit herrlichen Ruckelorgien den Spieler durchschüttelt, das Q*BERT-Cab und natürlich auch die Multiplayerrunden bei Daytona USA. Daneben haben mich vor allem die bereits erwähnten mechanischen Maschinen sehr gut unterhalten und nachhaltig mit ihrem Variantenreichtum beeindruckt.

Wer im Raum Frankfurt unterwegs ist und auch nur ein bisschen Freude an klotziger Grafik oder silbernen Kugeln hat, sollte unbedingt einen Abstecher nach Seligenstadt unternehmen, auch eine weitere Anreise lohnt sich aus meiner Sicht durchaus. An jedem ersten Samstag im Monat steht das Museum allen spielbegeisterten Besuchern offen, an diesem Tag sind alle Geräte auf Freispiel gestellt und der Eintritt ins verspielte Glück kostet faire 12 europäische Taler, Kinder, Menschen mit Behinderung und Studenten zahlen die Hälfte.

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