Ghost House / PIXELQUICKIE vol.35

In der Rubrik Pixelquickies gibt es in unregelmäßigen Abständen kleine Genre-übergreifende Spieletipps auf verschiedenen Plattformen für den kleinen Geldbeutel.

„Versuchen Sie, den versteckten Schatz beim abenteuerlichen Besuch im verhexten Haus des Grafen Dracula zu finden.“ – mit diesem harmlosen Klappentext schickt uns SEGA in Ghost House aus dem Jahre 1986 auf dem Master System in die spielbare Hölle.

Inspiriert vom hauseigenen Arcadespiel Monster Bash von 1982 machen wir das durch den Covertext bekannte Geisterhaus unsicher und rücken dem flatterigen Fürsten der Dunkelheit auf die schlecht durchblutete Pelle. Das Spiel veröffentlichte SEGA zunächst auf der kompakten SEGA Card und einige Zeit später erneut auf Cartridge um auch bei Besitzern des Master System 2 ohne Kartenslot noch einmal Blut zapfen zu können.

Bei Ghost House übernehmen wir die Rolle des kleinen Jungen Mickey der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den unerschrockenen Grafen Dracula das Fürchten zu lehren und ihm seine Familienjuwelen abzunehmen. Als unbedarfter Spieler betreten wir dazu das namensgebende Geisterhaus und dessen Vorgarten, in dem nicht nur der spitzzähnige Mantelträger höchstpersönlich sein Unwesen treibt, sondern auch diverse andere Unholde wie Klopapier verschwendende Mumien, feuerspeiende Fettkugeln und der Tod höchstpersönlich der aber im eigentlichen Spiel aussieht wie ein hundsgewöhnlicher Playmobil-Geist. Am meisten werden wir jedoch mit Fledermäusen gequält, die ohne Unterlass auf uns einstürmen und deswegen wohl auch das langweile Spielcover zieren dürfen – ein Lob hierfür an die Kreativen bei SEGA.

Im Haus erledigen wir die Gegner durch Draufspringen, mit Faustschlägen oder einsammelbaren Messern. Nach dem Zufallsprinzip hinterlassen Gegner Schlüssel, welche in Folge zum Öffnen eines Sarges benutzt werden müssen. Der unausgeschlafene Graf reagiert wenig freundlich und versucht uns in Gestalt einer Fledermaus des Hauses zu verweisen. Hält der Flattermann endlich still, können wir ihn mit Faustschlägen oder dem Messer traktieren bis er zu Staub zerfällt. Pro Stage müssen wir den Grafen fünf mal erledigen, erst danach öffnet sich der Weg in das nächste Haus mit leicht verändertem Layout.

Ghost House

Unser Dreikäsehoch Mickey steuert sich weitgehend präzise, ähnlich wie bei seinem Kollegen Alex Kidd bin ich jedoch kein Freund der geringen Reichweite im Nahkampf. Das hohe Gegneraufkommen, sowie die Unberechenbarkeit des herumfliegenden Blutsaugers erhöhen den Schwierigkeitsgrad zudem erheblich. Einsammelbare Energievorräte und die Möglichkeit den Bildschirm temporär einzufrieren helfen jedoch ein wenig im Kampf gegen die ewige Dunkelheit. Ich selber muss leider gestehen, dass ich es nie über das zweite Level hinaus geschafft habe – das Geisterhaus macht mich einfach fertig.

Ghost House

Technisch kann Ghost House wenig beeindrucken, hinterlässt aber auch keinen Pixelbrand in Aug und Ohr. Die Grafik verzückt mit niedlichen Sprites denen mehr Animationsphasen gut zu Gesicht gestanden hätten und einer ausgiebigen Nutzung der Master System typischen Farbpalette. Die Soundeffekte erscheinen eher unauffällig, die Musik hat aber durchaus Ohrwurmcharakter und nervt noch Stunden später mit ihrer eingängigen Melodie.

Fazit: Während Ghost House auf Cartridge mit etwas Geduld für schlappe fünf Euro zu haben ist, werden Kaufwillige bei der SEGA Card heftiger zur Ader gelassen. Wer das Spiel jedoch in die Finger bekommt und sich für einen frustresistenten Zocker hält, sollte durchaus mal einen Blick in die kleine, Master System exklusive Software werfen. SEGA hat hier sicher keinen Meilenstein auf Konsole gebracht, spielerisch ist Ghost House aber durchaus solide und verlangt auch versierten Joypadsaugern einiges ab.

 

Ghost House