Retrobörse Bochum 2005 bis 2019

Die Retrobörse für klassische Videospiele in Bochum darf sich ohne Zweifel als Urgestein der deutschen Videospieleinkaufsveranstaltungen bezeichnen lassen und findet mehr oder minder regelmäßig seit 2005 im Falkenheim auf der Bochumer Akademiestraße statt. Auch in diesem Jahr gab es am sechsten April recht kurzfristig angesetzt eine Retrobörse in der Ruhrgebietsmetropole Bochum – ein guter Moment, die letzten Jahre der Veranstaltungsreihe einmal Revue passieren zu lassen.

Das erste mal habe ich die Retrobörse in ihrer zweiten Ausgabe im Jahr 2006 besucht und bin damals bereits vom wuseligen Treiben fasziniert gewesen. Ich habe damals nur Fotos und keine Videos in Bochum gemacht, viele Eindrücke aus 2006 ähneln aber bereits denen aus dem Jahr 2019. Neben den gut mit Exotika gefüllten Verkaufsständen hat mir damals die Sonderausstellung zum Thema Virtuelle Realitäten besonders gut gefallen. Diese Sonderausstellungen wurden auch in den Folgejahren weitergeführt, scheinen inzwischen aber komplett aus dem Konzept gestrichen zu sein. Zu diesem Zeitpunkt versprühte die Börse noch einen starken Nischenhobbycharakter, der inzwischen doch stark nachgelassen hat.


Selber verkauft habe ich zur Ausdünnung meiner privaten Sammlung auf der Retrobörse ab 2010 und auch meine ersten Videoaufnahmen der Fachveranstaltung für funktionsfähigen Elektroschrott von vorgestern habe ich dort in zukunftssicherem 480p gemacht. In diesem Jahr fand die Börse zum ersten mal gleich zwei mal im Falkenheim statt, um dem großen Ansturm und dem ordentlich Fahrt aufnehmenden Retrohypetrain gerecht zu werden. Zwischenzeitlich hatte die Retrobörse zudem in anderen Städten der Bundesrepublik und dem Nachbarn Österreich stattgefunden und fand dort ebenfalls großen Anklang.

Da sich die Börse in den Folgejahren zu einem immer größeren Publikumsmagneten für Sammler und Spieler entwickelte, wurde einer der jährlichen Ruhrgebietstermine ab 2012 nach Oberhausen in das luftigere und verkehrstechnisch hervorragend gelegene Zentrum Altenberg ausgelagert. Den echten Zenith erreichte die Retrobörse aus meiner Sicht ungefähr in den Jahren 2014 bis 2016, was auch in etwa das allgemeine Medien- und Besucherinteresse zu dem Thema Retrovideospiele gespiegelt haben dürfte. Zu der Zeit haben sich auf den Börsen in Summe geschätzte 700 bis 1000 kauffreudige Besucher, Händler und Youtuber getummelt und das Falkenheim regelmäßig an seine physischen und logistischen Grenzen getrieben, weswegen auch bald die dritte Etage in Form der Turnhalle geöffnet wurde. Diese begeisterte im ersten Jahr mit tollen flüssigkeitsregulierenden Eigenschaften, die dazu führten, dass Kondenswasser in pittoresken kleinen Wasserfällen an den Wänden herunterlief.

Retrobörse Bochum 2019

Auch die Preise erreichten in diesen Jahren nicht nur auf digitalen Handelsplattformen neue, schwindelerregende Höhen, auch im Falkenheim konnten vor allem bei gewerblichen Händlern tolle Fantasiepreise erspäht werden. Wetten wurden abgeschlossen, wer den absurdesten Preis auf der Börse findet und welche Artikel sicher auf diese Weise nie verkauft wurden. Aktuell habe ich bei vielen Plattformen den Eindruck, dass die Preise stagnieren, Systeme wie das Atari VCS 2600 könnten sogar gravierend im Verkehrswert gefallen zu sein und selbst Spiele für das Super Nintendo scheinen seit Release des SNES Mini endlich wieder im Preis zu sinken. Das Interesse des Marktes hat sich gewandelt und viele Sammler der ersten Generation sind einfach mit allem eingedeckt, was wirkich sammelwürdig erscheint, eine neue Generation an Jägern hat vielleicht grad andere Interessen und widmet sich dem Sammeln von Polly Pocket, unbeleckten Briefmarken oder signierten Fußnägeln von Berühmtheiten.

Retrobörse Bochum 2019

Die Retrobörse für klassische Videospiele im Ruhrgebiet hat viele hübsche Geschwister und fähige Konkurrenten bekommen. Auch ist vieles vom etwas gemütlicheren Charme der ersten Jahre verloren gegangen, aktuell habe ich jedoch den Eindruck, dass der große Hype ein wenig abgeebbt ist. Dennoch behält der Klassiker unter den rückwärtsgewandten Events in Bochum stets einen Platz in meinem retroaktiven Herzen. Auch die Räumlichkeiten des Falkenheims sind sicher nicht optimal – es müffelt, ist stickig, ist warm und kalt zugleich – und dennoch passt das Haus zum immer noch schrabbeligen und glücklicherweise noch nicht vollständig kommerzialisierten Hobby Retrospiel. Zum Fachsimpeln oder Blödsinn reden, Kram tauschen und tatsächlich auch zum Shoppen bleibt die Bochumer Retrobörse für mich auch zukünftig ein wichtiger Anlaufpunkt und ich freue mich, dass sie einen festen Termin im Kalender für Spielkultur aus der Vergangenheit markiert.

Alle Termine und Infos zur Retrobörse für klassische Videospiele in Bochum und an vielen weiteren Standorten findet Ihr auf der offiziellen Webseite.

Retrobörse Bochum 2019