Retroid / PIXELQUICKIE vol.38

In der Rubrik Pixelquickies gibt es in unregelmäßigen Abständen kleine Genre-übergreifende Spieletipps auf verschiedenen Plattformen für den kleinen Geldbeutel.

Retroid – Game Boy – 2016 – JonasFischbach/Homebrew

Retroid – der Name des grünen Homebrew-Moduls haut Zockern schon beim Titel die Klischeeklatsche um die Ohren und auch das bei Breakout geklaute Spielprinzip vermag heuer nur noch wenige Kids von gestern hinter dem pixeligen Ofen hervor zu locken. 2016 wurde der programmierte Alleingang von Jonas Fischbach bereits kostenlos als Download veröffentlicht und im Rahmen einer Aktion im Circuit-Board hat es das Spiel nun auch auf physische, giftig grüne Datenträger in passender OVP mit Anleitung geschafft.

Wie bei den Vorlagen Arkanoid und Breakout übernehmen wir auch in Retroid die Kontrolle über ein Paddle am unteren Bildschirmrand um mit einer abprallenden Kugel Steine an der oberen Bildschirmhälfte abzuräumen. Die 20 Stages sind statisch, pro Bildschirm muss ein kompletter Satz an Klötzen beseitigt werden um die nächste Stage zu betreten. Manche Steine benötigen genretypisch gleich mehrere Treffer, der Großteil der Steine verschwindet jedoch schon nach einem zarten Stubs.


Freispielbare Extras vergrößern unser Kugelabstoßungsgefährt, schalten einen alles durchdringenden Feuerball frei oder lassen uns praktischer Weise direkt den Level skippen. Auch das obligatorische Arschloch-Extra – der Paddle-Minimizer – ist natürlich mit an Bord. Eine Story wie bei den Genrekollegen Woody Pop oder Devilish ist hier nicht vorhanden, wirklich nötig erscheint sie bei diesem Spielprinzip jedoch ohnehin nicht.

Technisch ist das Spiel erwartungsgemäß schnörkellos und Animationen gibt es Dank des statischen Geschehens kaum. Die Grafik ist jedoch sauber gemacht und durchaus ansprechend, verschiedene Hintergründe sorgen für optische Abwechslung auf dem Spielfeld. Der chippige Soundtrack ist sehr gelungen und stammt ebenfalls vom Programmierer Jonas Fischbach, der sich mit diesem Spiel durchaus als Tausendsassa präsentiert.Die Ballphysik ist dem Genre entsprechend kaum als realistisch, aber zumindest als relativ nachvollziehbar zu bezeichnen. Minutenlange Jagden nach dem einen verfluchten, letzten Stein in der Ecke wie bei Alleyway kommen auch bei Retroid leider häufiger mal vor, geduldige Spieler trinken hier nebenbei einhändisch Kaffee. Die Steuerung könnte simpler nicht sein, hier hätte ich mir jedoch wie bei manchem Genrekollegen einen zuschaltbaren Turbo für das doch recht lahme Paddle gewünscht.

Retroid Game Boy

Die Fassung auf Cartridge ist als Gemeisnchaftsaktion im Circuit-Board enstanden und streng limitiert gewesen. Ich fürchte aber, dass dies manch kapitalistischen Unhold auf der Suche nach leichten Mädchen und billigem Fusel nicht davon abhalten dürfte, sein Spiel über dem Selbstkostenpreis von 35€ auf der einen oder anderen Plattform dem freien Markt zufließen zu lassen.

Fazit: Auch wenn der Name zugegebener Maßen wenig einfallsreich sein mag und das Spielprinzip manch rückwärtsgewandten Daddelsüchtling nicht mehr wirklich begeistern kann, hat Herr Fischbach meinem Game Boy mit Retroid ein tolles, kleines Spiel für eine flotte Runde zwischendurch spendiert. Das Spiel ist sauber gemacht, bietet einen schnellen Einstieg und wirkt tatsächlich so, als wäre es von 1991 direkt ins aktuelle Jahrzehnt geplumpst. Wer mit Arkanoid, Breakout, Woody Pop, Alleyway oder Devilish noch immer seine Freude hat, sollte sich das Ein-Mann-Projekt Retroid als kostenlosen Download definitiv mal zu Gemüte führen.

Retroid Game Boy

2 Gedanken zu “Retroid / PIXELQUICKIE vol.38

  1. Pingback: Retroid for Game Boy (classic) – kein Halma

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