Selbstgespräche eines Spielejunkies vol.47: AVGN – The Movie

Im Selbstgespräch gebe ich meinen Kommentar zu mehr oder weniger Videospiel relevanten Themen ab und lasse mich gerne auch mal zur Meinungsmache hinreißen. Über eure Meinung zu den Themen freue ich mich natürlich auch!

Seit vielen Jahren erquicke ich mich an den Videos von James Rolfe, der vielen Retrospiel-interessierten wahrscheinlich eher als Angry Video Game Nerd bekannt sein dürfte.

James Rolfe stellt in seinen Youtube-Videos vor allem schlechte bis mittelprächtige Spiele und Hardware vor, primär müssen NES-Spiele ihren dicken Hals in die Schlinge legen. Das Konzept verfolgt er nun seit fast 150 Episoden und in den letzten Jahren überbrückte er die Wartezeiten zwischen den Folgen zunehmend mit Let´s Plays und Filmvorstellungen. Letztere nehmen bei ihm ebenfalls einen großen Platz ein, seine Liebe zum Medium Film spürt der Zuschauer in all seinen Clips. Inzwischen scheint er von seinem Youtube-Kanal leben zu können und es ist schön zu sehen, dass er als Urgestein der Videospiel-Youtuber ein Einkommen damit bestreiten kann, ohne sich an Medien-Konzerne binden zu müssen.

Im Juli 2014 veröffentlichte der Hobby-Regisseur dann auch seinen ersten Spielfilm und nutze seine Bekanntheit die er durch die AVGN-Reihe erlangt hatte. Das Ergebnis war Angry Video Game Nerd: The Movie, ein Trashfilm der seine Videoreihe in die übersteigerte Realität überträgt und sich inhaltlich häufig an den Youtube-Videos orientiert. Viele dürften den Film bereits gesehen haben, ich möchte hier aber dennoch nichts Inhaltliches spoilern. Ich selber habe den Film erst vor kurzem gesehen, da er inzwischen kostenlos bei Amazon Prime enthalten ist. Für den Preis kann man ja nicht viel falsch machen, dachte ich…

Meine Erwartungen waren von vornherein gering, dennoch musste ich den Film wegen mangelnder Spannung in drei Häppchen gucken. Das technische Niveau ist zwar deutlich über dem der Youtube-Videos, aber dennoch nicht wirklich erwähnenswert. Viele schlechte Effekte sind als Stilmittel durchaus zu erkennen und der Film bekommt dadurch einen guten Hobby-Charme. Während ich mit der Technik noch gut leben konnte, mochte mir das Skript weniger gefallen. Die Figuren bleiben platt, die Dramaturgie allenfalls bemüht dynamisch und die Dialoge selten überraschend.

Der Zuschauer bekommt einen Zweistünder, der vor allem selbstrefenziell sein möchte, dabei aber oft mit den ewig gleichen Ideen aufwartet wie die Videoreihe und damit nur selten überraschen kann. Es gibt durchaus einige gute Gags, diese retten den Film aber nicht über die 115 gebotenen Minuten. Per Crowdfunding bekam James Rolfe ein Budget von immerhin 325.000$ zusammen, womit sicher mehr möglich gewesen wäre.

Ich habe einen großen Respekt für sein Schaffen und seinen enormen Output, denke aber nicht, dass er sich mit seinem Filmdebut einen großen Gefallen getan hat. Für Außenstehende die mit dem Thema Retrogames und seiner Person nichts anfangen können, ist der Film mit Sicherheit eine echte Zumutung, ich persönlich würde mich trotz des guten thematischen Zugangs der IMDb-Wertung von 5.7/10 Punkten anschließen, auch wenn Hardcore-Fans das sicher anders sehen mögen.

…eventuell wäre eine Art Dokumentation im Stile der Michael Moore-Filme zum gleichen Thema ein besseres Format für Sie gewesen als ein Spielfilm, Mister Rolfe!?

AVGN DVD

5 Gedanken zu “Selbstgespräche eines Spielejunkies vol.47: AVGN – The Movie

  1. Ja, man muss wirklich schon Fan sein! 🙂
    Ich habe den Film mir gleich am Anfang gekauft und fand ihn beim ersten Schauen wirklich gut (im AVGN-Sinne).
    Ich bin großer Fan und hatte mir aber auch nicht so viel erhofft, aber trotzdem wäre da vielleicht schon mehr drin gewesen. Ich hatte auch so ein paar Probleme mit der „Story“. Alles ganz nett und politisch korrekte Nebenfiguren und so, aber der Funke will nicht einmal bei einem dementsprechenden Trash-Factor überspringen, was mir dann beim zweiten Mal schauen im letzten Jahr besonders ins Auge gesprungen ist.
    Deine Semi-Doku-Idee gefällt mir ganz gut. Das hätte wahrscheinlich besser funktioniert.

    • Das war auch mein ursprünglicher Plan, aber irgendwie habe ich es bei Release verpasst, ihn direkt zu schauen. Meine persönliche AVGN-Euphorie ist in den letzten Jahren auch gut abgeebbt, entsprechend war ich schon ein wenig abgeklärt beim ersten Schauen des Films. 😉

  2. Ich war schwer enttäuscht, musste dem Film nach knapp 20 Minuten ausschalten und habe mir nur noch das Ende gegeben.
    Obwohl ich immer noch ein großer Fan von James Rolfe und dem AVGN bin, fand ich den Film unterirdisch. Hatte schon fast befürchtet, dass es mir alleine so geht.
    Danke.

    • Nein, keine Sorge, wir sind offenbar sehr viele, die den Film enttäuscht zur Kenntnis genommen haben. Ich hätte auch garkein Bock auf ein neues Filmprojekt von ihm, nach diesem relativen Reinfall. Seine Videos schaue ich aber immer noch gerne. 🙂

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