Selbstgespräche eines Spielejunkies vol.52: Retrobörsenoverkill

Im Selbstgespräch gebe ich meinen Kommentar zu mehr oder weniger Videospiel relevanten Themen ab und lasse mich gerne auch mal zur Meinungsmache hinreißen. Über eure Meinung zu den Themen freue ich mich natürlich auch!

Am kommenden Sonntag bin ich zum ersten mal mit einem Stand bei der düsseldorfer Pixelbörse im Zakk vertreten. Da ich schon länger nicht mehr auf einer Börse verkauft habe, hat sich bei mir schon einiges angesammelt und ich freue mich auf das Event.

Meine erste Börse dieser Art habe ich um das Jahr 2000 herum in Berlin besucht, wann und wo genau das war, kann ich leider nicht mehr genau eingrenzen. Nachdem ich mich dann ein paar Jahre weniger um Videospiele gekümmert habe, folgte der nächste Besuch einer solchen Veranstaltung erst 2008 im Falkenheim in Bochum auf der einfach benannten Retrobörse.

In den Folgejahren habe ich kaum eine Börse im Ruhrgebiet der Veranstalter verpasst und würde mich als großen Fan der Eventreihe bezeichnen. Der Retrohype kannte in der letzten Dekade keine Gnade und holte so ziemlich jedes Lieschen Müller und ihren Cousin Moritz Musterzock ab. Der Bedarf an alten Spielen stieg, keine Marios und Zeldas waren mehr vor den frisch geschlüpften Retrofans sicher. Viele Veranstaltungen, Magazine und Webseiten befeuerten das Thema und so kennt der Markt sicher auch die nächsten Jahre kaum Grenzen. Ich selber freue mich über das gestiegene Interesse an alten Spielen und vor allem die damit verbundene Akzeptanz in der Gesellschaft, sich mit dem Elektroschrott als Hobby zu befassen.

Auch die Retrobörsencrew hat in den letzten Jahren ordentlich expandiert und den Veranstaltungstakt stark erhöht. Einige der Börsen haben nur wenige Male stattgefunden, vor allem die beiden Börsen im Ruhrgebiet sind aber echte Publikumsmagnete – NRW ist einfach ein guter Standort für das ehemalige Nischenthema. Auch andere Veranstalter sind in den letzten Jahren auf den Zug aufgesprungen, haben das Börsenkonzept (sonderlich ausgefeilt ist es nicht, ich weiß) häufig kopiert und ein paar wenige Veranstaltungen am Markt etabliert. Auch ich kann mich nicht ganz davon freimachen und habe mit den Konsolenkindern mehrfach in der Vergangenheit kleine Tauschbörsen organisiert, bei denen wir allerdings weder Standmiete noch Eintritt verlangt und eher den Austausch und das Treffen Gleichgesinnter in den Vordergrund gestellt haben.

Ich muss allerdings sagen, dass mich die vielen und ständig stattfindenden Börsen so langsam etwas anöden. Das Konzept wird in jedem Kuhkaff von Trittbrettfahrern adaptiert, selten um innovative eigene Elemente ergänzt und oft verschwinden die Veranstaltungen schnell wieder, wenn die Organisatoren das Interesse an der Thematik verloren oder nicht genug Umsatz generiert haben. Sicher haben all die Veranstaltungen ihre Daseinsberechtigung und Fans, mich persönlich holt das Thema in der Masse aber inzwischen leider kaum mehr ab… Um am Sonntag selber mal wieder auf so einer kopierten Börse zu verkaufen, reicht meine Motivation aber noch und ich freue mich auf ein paar bekannte Gesichter!

PS: Schade, dass sich die Betreiber der Retrobörse den Namen damals offenbar nicht haben schützen lassen, der Begriff ist heuer ein eigenständiges Synonym wie Tempo für Taschentücher. 😉

Retro Handheld Convention in Köln

Selbstgespräche eines Spielejunkies vol.48: Gamescom nein danke

Im Selbstgespräch gebe ich meinen Kommentar zu mehr oder weniger Videospiel relevanten Themen ab und lasse mich gerne auch mal zur Meinungsmache hinreißen. Über eure Meinung zu den Themen freue ich mich natürlich auch!

Bereits seit 2009 findet die Gamescom, die weltweit flächenmäßig größte Messe für Unterhaltungsmedien, in Köln statt. Jahr für Jahr pilgern die Massen in die Rheinmetropole mit dem obergärigen Bier (nein, die Rede ist nicht von Düsseldorf) um den neuesten Trends am Technologiemarkt hinterherzulaufen und für das kurze Anzocken eines Blockbusters von morgen (Call of Duty X, Fifa X, New Super Mario X) Schlange zu stehen.

Aber auch der seit Jahren offensichtlich sehr starke Retrobereich hat seine Fans und Anhänger, das rückwärtige Segment ist inzwischen fester Teil des Messetrubels geworden. Bekannte Gesichter aus der Nordrhein-Westfälischen und Gesamtdeutschen Retroszene stellen Konsolen, Spiele und Gadgets zur Verfügung und bieten den rückwärtsgewandten Spielern Unterhaltung aus der oft garnicht so staubigen Mottenkiste.

Sammler von Merchandise werden wohl schon seit einigen Jahren nicht mehr so richtig glücklich auf der Gamescom, die ihren Ursprung 2002 in Leipzig unter dem Namen Games Convention hatte. Dennoch scheint es noch genug Stuff zu geben, damit auch die Geier mit den übergroßen Papiertüten weiter ihre Runden ziehen können. Auch zahlreiche Cosplayer und deren Schenkel- und Bauchnabel-suchende Konterparts – die Hobbyfotografen – tummeln sich alljährlich gerne auf dem weitläufigen Messegelände.

So viele tolle Punkte sprechen also offensichtlich für einen Besuch der Gamescom, die am heutigen Dienstag ihre Pforte geöffnet hat und sich bis Samstag auf zahlreiche Gäste freut. Leider jedoch schrecken mich die obrigen Punkte und viele weitere Aspekte dieser Großveranstaltung komplett ab und werden mich wohl auch in Zukunft nicht zur Kölner Messe locken können. Als Steppke bin ich gerne auf die Berliner Funkausstellung gegangen und habe mich mit Merchandise eingedeckt. Schon damals habe ich jedoch nur wenig Freude an dem ganzen Drumherum gehabt. Auch im Jahr 2010, als es mich das das erste und bis jetzt einzige Mal auf die Gamescom trieb, war ich eher genervt und gelangweilt vom allgemeinen Zampano der Medienheinis und Werbetreibenden.

Großveranstaltungen als solche bereiten mir generell nur selten Freude und das endlose Schlangestehen, der laute Geräuschpegel und die ewig gleichen, aufgewärmten Spielkonzepte motivieren mich doch eher dazu, meine Freizeit zockend mit Freunden oder alleine zu Hause und nicht auf dem Messegelände zu verbringen. Auch der Retrobereich kann mich nicht locken, das wenigste ist wirklich überraschend und wenn ich wirklich mit wildfremden Menschen daddeln möchte, lase ich mich lieber auf private Zockpartys oder explizite Retroveranstaltungen als Besucher ein.

Ich kann hier natürlich nur von meinen Eindrücken aus der Ferne auf den aktuellen Status Quo der Messe schließen und ich wünsche allen Besuchern dennoch eine schöne Zeit, für mich jedoch wird die Gamescom auf ewig ein abschrenkendes Beispiel für konsumgesteuerte Massenabfertigung bleiben.

GAMESCOM Illustration

PIXELKITSCH bei Instagram

Die Zeit heilt alle Hypes – wie sehr schlaue Philosophen gerne behaupten. Viele Plattformen im Netz sind gekommen und gegangen, mein Myspace-Konto liegt irgendwo verwaist im Netz und ich hoffe, dass mein Account bei StuiVZ lange nicht mehr existiert.

Die Foto-Plattform Instagram hält sich nun aber schon recht lange und als optisch denkender Mensch bin ich nun nicht länger drum herum gekommen, mir auch einen Account dort einzurichten. Unter dem für alle sicher überraschenden Namen Pixelkitsch veröffentliche ich nun seit einer knappen Woche täglich ein bis zwei Fotos, das wird aber wohl der Anfangseuphorie geschuldet sein. Es gibt Bilder rund um Retrogames und kitschigen Spielemerch, eventuell lohnt sich ja mal ein Blick in und ein Abo von Pixelkitsch bei Instagram.

PIXELKITSCH Monat April 2016

PIXELKITSCH RETROFLASH 193: 15 Jahre Kultboy

Unter dem Motto in der Kürze liegt die Würze, gibt es unter der Rubrik RETROFLASH ab und an kleine Kurzmeldungen wie Videofundstücke, Bilder oder ähnliches für die es sich nicht lohnen würde, einen ellenlangen Artikel in die Tasten zu hauen!

NEWSFLASH-EMBLEM

Wenn Webseiten oder Medien die sich mit dem Thema Retrogaming befassen selber schon allmählich so alt werden, dass sie als retro zu bezeichnen sind, wird unser liebstes Hobby langsam alt und auch so ein bisschen erwachsen.

Eine Internet-Instanz in Sachen Videospielhistorie wurde vor ein paar Tagen bereits 15 Jahre jung. Das Videospielzeitschriftenarchiv Kultboy versorgt digitale Leser mit Scans von aktuell mehr als 11.000 Magazincovern und über 13.000 Tests. Darunter sind nicht nur deutsche Publikationen, sondern auch europäische Druckprodukte zu finden. Da ich selber zwar ein recht umfangreiches Archiv an analogen Presseerzeugnissen besitze, dieses jedoch zum größten Teil in Kisten verstaut ist, schaue ich seit vielen Jahren gerne im gescannten Pendant auf Kultboy rein und kann jedem rückwärtsgewandten Videospieler einen Besuch auf der Seite ebenfalls nur empfehlen.

Vielen Dank für anderthalb Dekaden Archivarbeit und ich freue mich auf weitere 15 Jahre Schmökerkram im Internet.

Retro Magazine

Und dann kam Tetris

Der CSW Verlag ist vor allem für sein Retro-Magazin bekannt, beglückt die rückwärtsgewandte Videospielgemeinde jedoch auch mit allerlei Publikationen abseits des Bahnhofskiosks-Klassikers. Das aktuellste Druckerzeugnis hört auf den Namen Und dann kam Tetris stammt vom Autoren Christian Gehlen und rollt mehr als vierzig Jahre Videospielgeschichte von hinten auf. Ich selber habe nun nebenbei in wenigen Tagen knapp 100 der 160 Seiten durchgeschmökert und bin dem Werk nicht komplett abgeneigt. Da ich beim Titel und der doch recht einfallslosen Covergestaltung zunächst geringe Erwartungen hatte, wurde ich beim Lesen bislang recht positiv überrascht. Selbst nach mehr als der Hälfte des Buches geht es glücklicher Weise noch nicht um das namensgebende Spiel, sondern eher um die Geschichte der kommerziel erfolgreicheren Videospiele. Dabei erfahren wir nicht wirklich Neues, finden jedoch recht lebendig aufbereitete Anekdoten aus der Geschichte Nintendos und Ataris. Stilistisch ist das Buch nicht unbedingt finessenreich geschrieben, kann aber trotzdem gut unterhalten. Auch wenn ich hier auf den ersten hundert Seiten wenig Unbekanntes vermittelt bekommen habe, macht Ihr zum Preis von knappen zehn Euro beim Kauf aber nicht viel falsch. Als einmal zu lesende Urlaubslektüre oder Geburtstagsgeschenk für Neueinsteiger in das Thema Videospiele ist der Schmöker – der mir vom Autor zur Verfügung gestellt wurde – vollkommen in Ordnung.

Und dann kam Tetris von Christian Gehlen