Zu Besuch im Oldenburger Computer Museum

Museen sind ein wichtiger Bestandtteil kulturellen Lebens in unserer vermeintlich zivilisierten Welt. In manchen Museen hängen Pferde an der Wand, in anderen stehen blasse Oberkörper im Weg herum. Im Oldenburger Computer Museum stehen, sicherlich zur Überraschung vieler, elektronische Rechenmaschinen auf Schreibtischen und sollen dem Besucher Elektronikgeschichte und Softwarekultur näher bringen.

Kürzlich feierte eben jenes Computermuseum in der kleinen Großstadt Oldenburg seinen zehnten Geburtstag und hat sich von Organisatoren und Gästen aus der ganzen Republik hochleben lassen. In diesem Rahmen habe auch ich den Räumlichkeiten in Niedersachsen zum ersten mal einen Besuch abgestattet und mich im feuchtfröhlichen Geburtstagsstrudel treiben lassen.


Das von seinen Betreibern liebevoll OCM abgekürzte Museum liegt In der dritten Etage eines wenig schmucken Büro- und Postgebäudes im Stadtzentrum und ist auch gut für Besucher von Auswärts mit Personenkraftwagen, Pferd oder Draisine zu erreichen. Neuankömmlinge werden neben der Lobby zunächst im Wohnzimmer der siebziger Jahre mit all seinen Annehmlichkeiten inklusive alter Versandhauskataloge und Atari VCS 2600 empfangen.

Das eigentliche Kernstück des Museums beginnt hinter einer Trennwand, hier warten zahlreiche betreibsbereite Rechenknechte darauf, mit Ladebefehlen und Code gefüttert zu werden. Konsolennutzer wie meine Wenigkeit werden hier eventuell ein wenig überfordert sein, das Personal und gut aufbereitete Infotafeln helfen aber aber beim Verständnis der Thematik. Alle Exponate sind mit genug Platz in Szene gesetzt und profitiieren von der zurückgenommenen Gestaltung der Museumsräume. Sehr gut gefallen haben mir hier auch die tollen Bildschirme, die nicht zwingend mit den entsprechenden Rechnern von Herstellerseite aus korrespondieren, aber zeitlich und stilistisch gut gewählt sind. Ein kleines, persönliches Highlight ist hier für mich der 1981 erschienen Sinclair ZX81 mit wunderschönem Kompkatfernseher in rotem Kunststoff gewesen.

Oldenburger Computer Museum

Dem Museumspfad folgend geht es weiter in den kleinen Gastrobereich und das angeschlossene Wohnzimmer der sechziger Jahre, welches mit einem zeitlich nicht ganz passenden PONG-Spiel am TV und PONG-Tischautomaten ausgestattet ist. Der elektromechanische TV-Tennis-Automat ist de facto sogar vollkommen aus der Zeit gerissen, wurde er doch erst vor kurzem veröffentlicht und über eine Kickstarter-Kampagne finanziert. Der Automat spielt sich seltsam träge und toleriert viele Fehler, wodurch er auch für Einsteiger gut zu beherrschen ist und mit tollem Licht- und Klangdesign begeistert.

Angeschlossen an den Sechziger-Wohnraum ist die gar nicht so kleine Spielhalle mit vielen Klassikern der Arcade-Geschichte. Neben vielen Standards und soliden Klassikern locken hier auch ein paar speziellere Automaten, die nicht unbedingt mit toller Spielbarkeit, dafür aber mit interessanter Technik begeistern. Besonders skurril und fast nicht spielbar ist der Taito-Automat Continental Circus von 1987, der vor allem bei Epileptikern wenig Begeisterung hervorrufen dürfte. Neben Zweispieler-Schlachten bei Street Fighter oder Ikaruga lockten auch einige Flipper die zahlreichen Besucher in den flimmernden und schallenden Arcadebereich des Museums.

Oldenburger Computer Museum

Nicht im regulären Programm des Museums, aber zumindest an dem Jubiläumsabend sorgten auch ein Flipperturnier, eine Tombola und ein Quiz für Kurzweil beim gemischten Publikum aus Nerds und Interessierten zwischen sieben und siebenundsiebzig Jahren.

Das Oldenburger Computer Museum ist inzwischen zwar eines von vielen ähnlichen seiner Art, bietet mit zahlreichen betriebsbereiten Rechnern aus der Frühzeit der Heimcomputer und der nicht zu verachtenden Spielhalle aber durchaus vortreffliche Gründe für einen Besuch. Vor allem die nutzbaren Computer lassen den Charme des Berliner Computerspielemuseums aus den späten Neunzigern wieder aufleben, den eben jene Institution mit der fortschreitenden Professionalisierung ein wenig eingebüßt hat. Eine weitere Anreise muss sich nicht zwingend lohnen, wer aber aus der Region kommt, oder ohnehin im Norden unterwegs ist, sollte unbedingt einmal ein paar Tasten im OCM drücken und den eingerosteten Daddelfingern etwas Bewegung in der Spielhalle gönnen.

Alle Infos und Kontaktdaten des Museums und dem dazugehörigen Verein findet Ihr nach dem Klick auf der Webseite der Oldenburger Einrichtung.

Oldenburger Computer Museum

Ein Gedanke zu “Zu Besuch im Oldenburger Computer Museum

  1. Pingback: Zu Besuch im Oldenburger Computer-Museum – Foto-Galerie | PIXELKITSCH

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.